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Sapere Aude
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Mittelalterliches Schach
http://www.sapere-aude-graz.at/MA-Schach
  • Allgemein1)
  • Spielregeln2) als Graphik
  • Schach im „Codex Manesse“3)
  • „Erster“ Text über das Schach im Abendland4)

Allgemein

Schach Zabel
aus Codex Manesse11), p.13r12)
(Universitätsbibliothek Heidelberg13))
Das Schach, welches man im Mittelalter zu spielen pflegte, ist der heutigen Form nicht gleich. Es kam aus dem Indischen über das Arabische zu uns – die Figuren sahen sehr abstrakt aus, da die Araber ein Bilderdarstellungsverbot haben. Man sieht, beispielsweise, im Codex Manesse14) (1300-1340) (auch Manessischen Liederhandschrift oder Große Heidelberger Liederhandschrift genannt) auf Seite 13r15), wie der Markgraf Otto von Brandenburg diese Form des Schachs mit arabischen Figuren spielt (siehe auch dort5)). Es wurde damals Shatranj oder Schach Zabel genannt.
Erst im 15. Jahrhundert hatten sich die Schachregeln in unseren Breiten weitgehend zu den modernen gewandelt.
Das Spielfeld ist, so wie das des heutigen Schachs, acht mal acht Felder groß.
Die einzelnen Figuren unterscheiden sich allerdings in Namen und Zugweisen ein Bißchen.
Unser selbst gemachtes Schach könnt ihr euch bei den Bildern zu Spielen6) anschauen.

Das frei erhältliche Computerprogramm WinBoard7) (für Windows, bzw. XBoard8), für Linux/​Un*x), beherrscht diese Schachvariante.

Spielregeln

Man beachte:
  • In Bezug auf die Aufstellung: die Wesire – welche im modernen Schach von den Königinen abgelößt werden sollten – standen früher nicht auf ihren eigenen Farben.
  • Wenn nur noch die Könige übrig sind, ist es ein Remis (unentschieden).
  • Wenn ein König alleine ist, die andere Farbe aber noch zumindest eine weitere Figur hat, ist der einsame König matt.
  • Wenn eine Farbe keinerlei Figur bewegen kann (ohne den eigenen König ins Schach zu stellen), ist das auch dann ein Matt, wenn der König nicht bedroht wird.

Als PDF auf A59) bzw. druckbar auf A410) (beidseitig, lange Kante wenden).
 


1)
#allgemein
2)
#Spielregeln
3)
#CM13r
4)
#ersterTextUeber
5)
#CM13r
6)
/Bilder?Versch=Spiele
7)
XBoard
8)
XBoard
9)
Texte/Mittelalterliches_Schach.pdf
10)
Texte/Mittelalterliches_Schach-2x1.pdf
11)
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848
12)
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848/0021
13)
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/
14)
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848
15)
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848/0021

Grundaufstellung









Mit dem Mauszeiger über eine Figur fahren, um ihre Züge zu sehen …
Bilder von XBoard


Aufstellung
Aufstellung
Zugregeln
Turm
Zugregeln
Pferd
Zugregeln
Elefant
Zugregeln
König
Zugregeln
Wesir
Zugregeln
Bauer

Grundaufstellung









Mit dem Mauszeiger über eine Figur fahren, um ihre Züge zu sehen …
Bilder von XBoard


Zugregeln: Turm
Turm

Zugregeln: Pferd
Pferd

Zugregeln: Elefant
Elefant

Zugregeln: König
König

Zugregeln: Wesir
Wesir

Zugregeln: Bauer
Bauer


Schach im „Codex Manesse“

Markgraf Otto v.Brandenburg mit dem Pfeile
Aus dem Codex Manesse1) (1300-1340), Seite 13r2)
(Universitätsbibliothek Heidelberg3))

Markgraf Otto von Brandenburg

Man sieht hier eine Zeichnung aus dem Codex Manesse4) (1300-1340) (auch Man­es­si­sche Lie­der­hand­schrift oder Große Hei­del­ber­ger Lie­der­hand­schrift ge­nannt) (Seite 13r5)).

Markgrave Otto vo Brandeburg mit dem Pfile (*1266 †1309) – so genannt, weil er, aus Mißtrauen gegenüber den Ärzten, ein Jahr lang eine Pfeilspitze, die er sich 1278 bei der Belagerung von Staß an der Bode (Staßfurt6), siehe auch „Staßfurt in Jahreszahlen7)“) am Kopf eingefangen hatte, stecken ließ – spielt hier die mittelalterliche Form des Schachs mit arabischen Figuren. Es wurde damals Shatranj oder Schach Zabel genannt.
Das Spielfeld sollte eigentlich – so wie das des heutigen Schachs – acht mal acht Felder groß sein.

„Erster“ Text über das Schach im Abendland

Abraham ibn Ezra (*1089/92 †1164/67)

Ich sing ein Lied von einer Schlacht, gereihet
Dereinst, bestellet in der Vorzeit Tagen,
Gereiht durch Männer von Einsicht und Verstand
Gegründet auf der Reihen acht;
Auf jeder Reih’ sind eingezeichnet
auf einer Tafel acht Abtheilungen;
Die Reihen sind Gevierte, sind verbunden,
Und dort die Lager stehn gedrängt,
Die Könige mit ihren Lagern stehen,
Zu kriegen, und ein Raum ist zwischen beiden
Und aller Angesicht zum Schlagen ist bereit.
Sie ziehn beständig oder ruhen aus;
Doch werden Schwerter nicht gezücket in der Schlacht,
Ihr Streiten ist ein Werk nur der Gedanken,
Sie sind durch Zeichen nur und Merkmal zu erkennen,
Gezeichnet und gepräget durch die Leiber;
Der Mensch, der sie betrachtet in Bewegung,
Dem scheinen sie (10Edomim und wie (11Kuschim;
Die Schwarzen strecken ihre Hände aus zum Streite,
Die Rothen ziehen aus nach ihnen,
Die (12Fußgänger sie kommen allererst
Zur Schlacht auf gradem Wege;
Der Fußmann schreitet hin vor sich,
Doch lenkt zum Fang des Feindes ab,
Nicht lenkt er ab in seinen Schritten,
Und wendet nicht zurück die Tritte;
Doch wenn er will, darf er zu Anfang springen
Drei weit von jeder Seite;
Und ist von seiner Stätt’ er weit gewandert
Zur achten Reihe vorgedrungen:
So kann er wie der (13Fers nach jeder Seite kehren,
Gleich diesem gilt er in dem Streite.
Der Fers, er wendet seine Schritte
Und seine Züge nach seinen vier Gevierten.
Der (14Fil zum Streite schreitet immer näher;
Er steht zur Seite wie ein Lauerer;
Sein Schritt ist der des Fers, doch hat
Den Vorzug er, daß er ein zweifacher.
Des (15Rosses Fuß, sehr leicht ist er im Streite,
Er gehet auf gekrümmtem Wege;
Verkrümmt sind seine Wege, nicht gerade,
Der Häuser drei sind seine Grenzen.
Der (16Roch geht grad auf seinem Wege
Und auf dem Felde nach der Breit’ und Länge;
Er suchet nicht die krummen Wege,
Sein Pfad ist ohne Schief und Krümmung.
Der (17König schreitet hin nach allen Seiten,
Nach allen Winden, hilft den Dienern;
Er hüte sich, dieweil er sitzet oder ziehet
Zum Streite, und an der Stelle, wo er lagert.
Und wenn sein Feind in Feindschaft zu ihm steiget,
Ihm droht, so fliehet er von seinem Platze;
Und wenn der Roch mit Schrecken ihn vertreibt,
Von einer Kammer zu der andern ihn verfolgt:
So muß zu Zeiten er vor ihm entfliehen,
Zu Zeiten aber seine Schaaren um sich sammeln;
Und All’ erschlagen Einer wohl den Andern,
Und Dieser tilget Jenen dort mit großer Wuth.
Die Helden beider Könige
Sind hingestreckt, doch ist kein Blut vergossen.
Zu Zeiten sind die Schwarzen die Besieger
Und fliehn vor ihrem Angesicht die Rothen:
Zu Zeiten sind die Rothen Sieger, und die Schwarzen
Mit ihrem Könige im Krieg sind überwunden.
Und wenn in ihrer Falle der König ist gefangen,
Und ohn’ Erbarmen ist in ihrem Netz verstrickt:
So ist kein Ausweg, sich zu retten, keine Zuflucht
Und kein Entrinnen, nach Festung und Asyle.
Vom Feind wird er verurtheilt und beseitigt,
Es rettet Niemand, zum Sterben ist er matt,
Und seine Schaaren sterben alle für ihn hin,
Sie bieten ihre Seele für die seinige;
Und ihre Herrlichkeit ist hin, sie sind vernichtet,
Indem sie schau’n, wie ihr Gebieter ist geschlagen.
Und doch beginnt ihr Streit von Neuem,
Wenn die Erschlagnen wieder auferstehen.

Anmerkungen:
  • Abraham ibn Ezra8) war ein jüdischer Gelehrter und Schriftsteller; unter anderem verfaßte er auch das obige Gedicht, welches als der älteste abendländische Text über das Schach gilt.
  • Ein Bauer welcher die hinterste Linie des Gegner erreicht, wird zu einem weiteren Fers (ähnlich wie beim modernen Schach).
  • Durch die zunehmende Stilisierung des Fil, waren die Stoßzähne bald nicht mehr als solche zu erkennen, da sie gerade nach oben standen. In den verschiedenen Sprachräumen entstanden deshalb sonderbare Namen für die unerkennbare Figur:
    • im Deutschen nannte man ihn bald „Läufer“ (vermutlich, weil er so große Strecken auf Einmal zurücklegen konnte – die Dame gab es ja noch nicht).
    • im Englischen erhielt er die Bezeichnung “Bishop”, da man die Stoßzähne wohl als Bischofshut ansah.
    • im Französischen nennt man ihn «le fou» (der Narr), vermutlich, weil man die Stoßzähne als Narrenkappenspitzen ansah.
  • Der Fers (persisch: „Fersan“, „Wesir“) ist einer der ehemaligen Könige der vier-Spielervariante Chaturâjî9). Seine Zugmöglichkeiten wurden aber eingeschränkt. Im Spanischen hies er „Ferza“, was die Spanier wegen der Endung auf „a“, für einen weiblichen Begriff hielten, und – zum König passend – die Figur als Königin bezeichneten. Im gleichen Schritt wurden vermutlich auch ihre Zugmöglichen zu den heutigen (sie wurde also ungleich mächtiger). (Anderen Quellen zu Folge wurden ihre Zugmöglichkeiten im Rahmen der christlichen Marieenverehrung erweitert um sie gehörig zur mächtigsten Figur zu wandlen)

1)
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848
2)
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848/0021
3)
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/
4)
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848
5)
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848/0021
6)
http://de.wikipedia.org/wiki/Sta%C3%9Ffurt
7)
http://www.stassfurt.de/index.php?id=131049000065&cid=131049000495
8)
http://de.wikipedia.org/wiki/Abraham_ben_Meir_ibn_Esra
9)
http://www.leikmot.net/deutsch/dSchachzabel.html#Geschichte
10)
rot (hier: hell)
11)
schwarz
12)
heute Bauern
13)
(arab:Fersan=Wesir): heute Dame
14)
(arab. Al Fil=Elefant): heute Läufer
15)
heute Pferd oder Springer
16)
(vermutl. vom Vogel Rock): heute Turm
17)
wie heute